Bewerbung zum UNESCO-Weltkulturerbe

Bereits vor über 160 Jahren haben die Sozialreformer Hermann Schulze-Delitzsch (1808-1883) und Friedrich Wilhelm Raiffeisen (1818-1888) mit der Gründung der ersten Vorschussvereine, Darlehenskassen und Handwerkerassoziationen den Grundstein für die heute weltumspannende Idee der Genossenschaften gelegt. Ein sichtbarer Beweis für die ungebrochene Kraft ihrer Idee sind die heute weltweit über 900.000 Genossenschaften mit mehr als 800 Millionen Mitgliedern. In Deutschland sind die rund 8.000 Genossenschaften mit 21 Millionen Mitgliedern die stärkste Wirtschaftsorganisation. Im Kreditwesen, im Handel, im Handwerk und in der Landwirtschaft sind Genossenschaften stabile und stabilisierende Unternehmen, die mit ihrem Förderauftrag ihren Mitgliedern verpflichtet sind. Gerade die Finanz- und Wirtschaftskrise in den letzten Jahren hat die Nachhaltigkeit der genossenschaftlichen Idee erneut deutlich gemacht. Ihre Aktualität zeigt sich heute auch in der Gründung zahlreicher neuer Genossenschaften, zum Beispiel in den Bereichen Erneuerbare Energien, Nahversorgung oder Gesundheit.

Die UNO hat bereits mit dem weltweit proklamierten Internationalen Jahr der Genossenschaften 2012 auf die Notwendigkeit hingewiesen, die vielfältigen Dimensionen der Genossenschaftsidee zu bewahren, sie breiten gesellschaftlichen Kreisen zu vermitteln und für nachfolgende Generationen zu erhalten. Dieses Anliegen verfolgen auch die Deutsche Hermann-Schulze-Delitzsch-Gesellschaft und die Deutsche Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Gesellschaft. Gemeinsam haben beide Gesellschaften nun einen länderübergreifenden Antrag auf Anerkennung der Genossenschaftsidee als Immaterielles Kulturerbe der UNESCO gestellt.

Die Bundesrepublik Deutschland ist im Jahr 2013 dem UNESCO-Übereinkommen zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes beigetreten. Dieses Übereinkommen zielt darauf, lebendige Traditionen zu erhalten und ihre Bedeutung als Quelle von Vielfalt sowie als Garant nachhaltiger Entwicklung zu stärken. Mit der Anerkennung als UNESCO-Welterbe soll die Genossenschaftsidee mit ihren sozialen, kulturellen, ethischen, emanzipatorischen und ökonomischen Werten, Traditionen und Dimensionen geschützt werden.

Die Liste der prominenten Unterstützer, die sich für die genossenschaftliche Idee als immaterielles Kulturerbe der UNESCO aussprechen, ist lang. Allen voran steht die frühere Bundestagspräsidentin Prof. Dr. Rita Süssmuth, die die Schirmherrschaft über die Bewerbung übernommen hat. Die Unterstützerliste wurde Ende November zusammen mit dem zwölfseitigen Antrag bei den zuständigen Landesministerien in Sachsen und Rheinland-Pfalz eingereicht.

Nun müssen die verantwortlichen Gremien auf Landesebene einer Nominierung zustimmen. Die Länder können jeweils zwei Vorschläge an den Bund weitergeben. Dort werden die Anträge aller Bundesländer ausgewertet und zwei Vorschläge werden an das Expertengremium der UNESCO weitergereicht. Dort fällt die endgültige Entscheidung. Es bleibt also spannend.




Josef Zolk (Mitte) und Bernhard Meffert (rechts) von der Deutschen Friedrich-Wilhelm- Raiffeisen-Gesellschaft überreichten Antrag und Unterstützerliste an Staatssekretär Walter Schumacher

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