Woche der Sonne startet


650 Energiegenossenschaften fördern dezentrale Energiewende – 63 Prozent der deutschen Bevölkerung würden einer Energiegenossenschaft beitreten

Berlin, 26. April 2013. Heute startet die diesjährige Woche der Sonne. Mit der bis zum 5. Mai laufenden Aktionswoche machen sich Initiativen, Verbände, Kommunen und Unternehmen gemeinsam für den Ausbau der Solarenergie stark. Der DGRV ist stellvertretend für die mehr als 650 in den letzten Jahren gegründeten Energiegenossenschaften in diesem Jahr Partner der Initiative. Allein im letzten Jahr entstanden in Deutschland 150 neue Energiegenossenschaften, der Großteil ist im Bereich Solarenergie tätig.

Energiegenossenschaften werden zu einem wichtigen Träger der dezentralen Energiewende. Wie eine bevölkerungsrepräsentative Befragung von infra-test/dimap über die Einstellung der deutschen Bevölkerung zur Energiewende und Investitionsbereitschaft in Erneuerbare Energien belegt, würden 63 Prozent der Bürger einer regionalen Energiegenossenschaft beitreten. „Bereits heute sind über 100.000 Menschen in Energiegenossenschaften engagiert, um die kommunale Energieversorgung aus Erneuerbaren Energien selbst zu organisieren. Dabei geht es weniger um die Erzielung einer Rendite als um das persönliche Engagement für Erneuerbare Energien und die regionale Wertschöpfung“, sagt Dr. Eckhard Ott, Vorstandsvorsitzender des DGRV. „Energiegenossenschaften sind ein Musterbeispiel dafür, wie eine dezentrale Energiewende in professionellen und nachhaltigen unternehmerischen Strukturen realisiert wer-den kann, ohne dabei die Menschen vor Ort zu übergehen“, so Ott weiter.

Jörg Mayer, Geschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft e.V. (BSW-Solar) ergänzt: „Gerade Bürgerenergieprojekte eignen sich besonders gut, um Zukunftsthemen wie die Nutzung von Solarwärme und Solarstrom, Energiespeicherung oder Heizen mit Pellets gemeinschaftlich voranzubringen. Sie steigern die Akzeptanz für Energieprojekte in der jeweiligen Region. Mit der Woche der Sonne möchten wir gemeinsam mit den vielen lokalen Veranstaltern möglichst viele Menschen davon begeistern, die Energiewende hin zu Erneuerbaren Energien ganz konkret selbst umzusetzen.“

Energiegenossenschaften sind keine Kapitalsammelstellen, sondern erzeugen durch ihren Geschäftsbetrieb echte Mehrwerte für ihre Mitglieder, die Region und die Gesellschaft. Zudem treiben sie mit immer neuen, innovativen Ideen und der stetigen Weiterentwicklung ihrer Geschäftsfelder die dezentrale Energiewende aktiv voran, wie die folgenden drei Beispiele exemplarisch zeigen:

Die hessische Energiegenossenschaft Odenwald eG wurde im Jahr 2009 auf Bestreben der Bürger des Odenwaldkreises gegründet und ist eine Initiative der Gemeinden, Städte und Unternehmen aus der Region sowie der Volksbank Odenwald eG. Seit ihrer Gründung hat die Genossenschaft bereits mehr als 60 Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von über 5 Megawatt installiert. Darüber hinaus investiert sie in regionale Wasser- und Windkraftprojekte und berät lokale Bürger und Unternehmen zum Thema Energieeinsparung. Zudem wird seit Anfang 2013 Naturstrom vertrieben, die Erträge aus der Stromvermarktung werden zu 100 % in Projekte in der Region investiert. So beispielsweise in das „Haus der Energie“, das die Genossenschaft im Jahr 2011 als Kompetenz- und Netzwerkzentrum für regionale Unternehmen der zukunftsorientierten Energiewirtschaft errichtet hat.

Die Energiegenossenschaft Lieberhausen eG im rheinländischen Gummersbach zeigt, wie sich der Wärmebedarf eines Ortsteils fast vollständig durch Energieproduktion aus regionalen Rohstoffen decken lässt. Auf Initiative des örtlichen Försters wurde im Jahr 1999 die Genossenschaft gegründet, die seitdem über ein Nahwärmenetz die angeschlossenen Haushalte mit Biowärme aus einem Holzhackschnitzel-Heizwerk versorgt. Dieses wird mit Holz aus den örtlichen Wäldern gespeist, das im Rahmen der gewöhnlichen Waldpflege anfällt. Über 90 Prozent der Haushalte in Lieberhausen sind inzwischen an das Netz angeschlossen und profitieren von vor Ort erzeugter, sauberer Energie, transparenten und stabilen Heizkosten und der Unabhängigkeit von Großkonzernen.

Die NEW – Neue Energien West eG im oberpfälzischen Grafenwöhr zeigt, dass in Genossenschaften nicht nur Bürger, Landwirte oder Unternehmen, sondern auch ganze Kommunen gemeinsam Energieprojekte in der Region voranbringen können. Die Genossenschaft wurde auf Initiative der Stadtwerke Grafenwöhr im Jahr 2009 gegründet und vereint inzwischen 19 Städte und Gemeinden. Die Bürger der Region können sich über eine eigene Bürgergenossenschaft einbringen, die wiederum Mitglied der Dachgenossenschaft ist. Derzeit halten mehr als 1.100 Personen rund 22.000 Anteile an der Genossenschaft.

Diese und viele weitere Beispiele erfolgreicher Energiegenossenschaften finden Sie in der DGRV-Broschüre "Energiegenossenschaften - Bürger, Kommunen und lokale Wirtschaft in guter Gesellschaft".

Weitere Informationen zur Woche der Sonne finden Sie hier.


Pressemitteilung_26.4.2013.pdf

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