Bundesminister Peter Altmaier zu Energiegenossenschaften


Wenige Themen haben in den letzten Jahren so sehr an Bedeutung gewonnen wie die Diskussion um die Bürgerbeteiligung an politischen Entscheidungen. Neu ist auch, dass das Streben der Bürger nach Mitbestimmung und Beteiligung auf einer breiten gesellschaftlichen Ebene stattfindet. Vom Handwerker bis zum Banker, von der Hausfrau bis zur Rechtsanwältin, alle sind mit dabei! Für mich ist dies eine sehr erfreuliche Entwicklung. Denn die Demokratie lebt von der aktiven Teilnahme der Bürgerinnen und Bürger.

Die Energiewende stellt eine tiefgreifende Herausforderung dar und erfordert Lösungen, die von der Bevölkerung mitgetragen werden. Mit der Energiewende zeigt Deutschland, dass eine Energieversorgung, die mittel- und langfristig im Wesentlichen auf erneuerbaren Energien sowie der Ausschöpfung der immensen Effizienzpotenziale beruht, auch in einem Industrieland technologisch machbar, ökologisch vorteilhaft und volkswirtschaftlich sinnvoll ist. Die wichtigsten Rahmenbedingungen für die Energiewende setzen Bundesregierung und Deutscher Bundestag – selbstverständlich unter Beteiligung der Länder und Kommunen. Die Umsetzung und Gestaltung der Energiewende ist aber ein Projekt der Menschen vor Ort.

Einen wesentlichen Beitrag zur Umstellung der Energieversorgung können Genossenschaften leisten. Sie zeigen, wie die Energiewende als Gesellschaftsaufgabe gelingen kann. Durch Genossenschaften können Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und Kommunen gemeinsame Lösungen im Energiebereich entwickeln und damit den Ausbau der erneuerbaren Energien und gleichzeitig die Steigerung der regionalen Wertschöpfung voranbringen. Am 19. November 2012 war ich zusammen mit 500 Vertretern von Energiegenossenschaften und anderen Bürgerenergieprojekten beim Bundeskongress „Energiewende – dezentral und genossenschaftlich“ des Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverbandes e. V. in Berlin. Dabei wurden einmal mehr die Aktualität des Genossenschaftsgedanken und seine Bedeutung für die Energiewende sichtbar.

Innerhalb nur einer Dekade hat sich die Zahl der Energiegenossenschaften verzehnfacht, und ein Ende der Entwicklung ist nicht abzusehen. In Deutschland gibt es aktuell mehr als 650 Genossenschaften im Bereich der erneuerbaren Energien mit über 80.000 engagierten Bürgern, die viel Engagement, Zeit und Geld in erneuerbare Energien investiert haben. Die Möglichkeiten der Beteiligung sind vielfältig. Einige Genossenschaften bieten schon mit relativ geringen Beiträgen eine Mitgliedschaft an. Eine Beteiligung ist oftmals unter 100 Euro pro Anteil möglich. Mehr als 90 Prozent der Mitglieder der Genossenschaften sind Privatpersonen. Durch diese Möglichkeit der Mitbestimmung werden komplexe Prozesse transparenter, unabhängiger und überschaubar. Der Bürger wird vom Konsumenten zum Produzenten. Vielerorts haben Bürgerinnen und Bürger die Initiative selbst ergriffen und eigenständig investiert: in Bürgerwindparks, in die Biogasanlage auf dem Hof oder die Photovoltaikanlage auf dem eigenen Dach.

Genossenschaften können den Grundstein für eine energiepolitische Selbstbestimmung liefern. Durch die Einbindung von regional ansässigen Unternehmen sind Energiegenossenschaften zudem ein Motor für die lokale und regionale Wertschöpfung. Sie sind der Arbeitgeber vor Ort, der Aufträge größtenteils an benachbarte Unternehmen vergibt. Mit dem Vorstand und einem Aufsichtsrat stehen der Genossenschaft ein professioneller Leitungs- und Kontrollmechanismus zur Verfügung, der in der Regel nicht die kurzfristige Gewinnmaximierung, sondern die Idee eines nachhaltigen Wachsens verfolgt. So entstehen neue Arbeitsplätze und die Gewinne bleiben überwiegend in der Region. Zusätzlich profitieren die Kommunen durch Steuereinkünfte.

Der Genossenschaftsgedanke lässt sich von der Stromerzeugung auch auf andere Bereiche übertragen, beispielsweise auf die Sektoren Wärme und Verkehr, auf die Energieeffizienz und den Netzausbau. Dadurch wird auch mein Vorschlag einer Bürgerdividende beim Netzausbau unterstützt, der auf eine Beteiligung betroffener Bürgerinnen und Bürger am Bau neuer Stromleitungen abzielt.

Ich bin überzeugt, dass die Energiewende gelingt! Allerdings nur, wenn möglichst viele mit dabei sind. Dafür möchte ich mich einsetzen. Getreu dem Motto von Friedrich Wilhelm Raiffeisen: „Was einer nicht schaffen kann, dass schaffen viele“.

Im Rahmen des Bundeskongresses "Energiewende - dezentral und genossenschaftlich am 19.11.2012 in Berlin sprach Bundesminister Peter Altmaier zu Energiegenossenschaften. Im Nachgang wurde dieses Grußwort zur Verfügung gestellt.

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